Hebammen sehen sich in einem Kampf David gegen Goliath
Die Grüne Landtags- und Kreistagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz und Rainer Kottke, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und sozialpolitischer Sprecher der Grünen im Kreistag, hatten gemeinsam die Vertreterinnen der Hebammen eingeladen.

Die Grüne Landtags- und Kreistagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz und Rainer Kottke, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und sozialpolitischer Sprecher der Grünen im Kreistag, hatten gemeinsam die Vertreterinnen der Hebammen eingeladen. Vor dem Hintergrund, dass die weitere Zukunft des Berufs derzeit unklar ist, wollten die Politiker auch erfahren, wie es um die Versorgungssituation mit Hebammenhilfe im Landkreis Leer steht.
Obwohl sich die Problematik der dramatisch steigenden Versicherungskosten bereits seit dem Jahr 2009 zuspitze, sei weiter keine Lösung in Sicht, erläuterten die Hebammen. Die Haftpflichtprobleme bestünden allerdings auch für andere Gesundheitsberufe und in Kliniken. Die freiberuflichen Hebammen rieben sich allmählich auf, einige würden auch aufgeben. Dadurch käme es zu einer Unterversorgung für Frauen und Familien in der Betreuung während der Schwangerschaft, bei Beleg- und Hausgeburten sowie im Wochenbett.
Die Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz erklärte, dass politisch ein ganzes Maßnahmenbündel vonnöten sei, um so die Gesamtsituation zu verbessern. "Nach einer Lösung für die nicht mehr bezahlbare hohe Prämie und für zukünftigen Versicherungsschutz zu suchen, ist eine kurzfristige Hilfsaktion. Es müssen weitere Schritte folgen. Wichtig bleibt, das große politische Engagement der Betroffenen und möglichst vieler Unterstützer in Kreis- und Landespolitik und unter den zukünftigen und jetzigen Eltern fortzuführen. Das Problem darf nicht noch einmal 5 Jahre mehr oder weniger ausgesessen werden." so Janssen-Kucz.
Veronika Bujny, Leeraner Kreisvorsitzende im Deutschen Hebammenverband, sprach von einem Kampf David gegen Goliath. Etwa 20.000 Hebammen seien deutschlandweit organisiert. Damit stünde ein sehr kleiner berufsständischer Interessenverband allein gelassen in Verhandlungen den gesetzlichen Krankenkassen sowie den Versicherungen und der Politik gegenüber. Die mittlerweile geforderten Versicherungsprämien seien von den Frauen nicht mehr zu erwirtschaften. In der Konsequenz zögen Hebammen sich nun aus ihrem Beruf zurück oder schränkten die Angebote ein. Den meisten Schwangeren im Kreis Leer bliebe mittlerweile die Möglichkeit verwehrt, mit eigener vertrauter Hebamme im Krankenhaus zu entbinden. Für Hausgeburten stünde hier ohnehin nur noch eine einzige Hebamme zur Verfügung. Eindringlich wies Bujny daraufhin, wie sehr der Hebammenberuf neben dem Medizinischen auch eine soziale Aufgabe von Frauen für Frauen sei.
Rainer Kottke als sozialpolitischer Sprecher und Mitglied des Ausschusses 'Soziales, Gesundheit und Sport' kündigte für die Grüne Kreistagsfraktion einen Antrag zur Situation der Hebammen im Landkreis Leer für den Ausschuss am 20. Mai an. Rainer Kottke: "Wir wollen für das Thema sensibilisieren und uns mit der jetzigen Situation im Rahmen der Daseinsfürsorge im Landkreis Leer auseinandersetzen. Unser grünes Ziel ist die Unterstützung und Verbesserung der Gesamtsituation der Hebammen im Landkreis Leer. Wir möchten mehr Wahlfreiheit für zukünftige Eltern, was nur bei einer guten Versorgung mit Hebammenhilfe möglich ist."