Rede Meta Janssen-Kucz: Kindergesundheit fördern-stärkeres Durchimpfen zur Masernelemination
Kindergesundheit fördern – stärkeres Durchimpfen zur Masernelimination!
Anrede
In Niedersachsen kamen in den letzten Jahren neben den vereinzelt auftretenden Masernfällen auch Masernausbrüche vor. Im Bereich Leer/Emden waren 2002 die Masernausbrüche nicht harmlos, sondern bedrohten die körperliche und geistige Gesundheit von vielen Kinder
Im Landkreis Leer hatte das Ausbruchsgeschehen schon 2001 seinen Ursprung genommen. Schon damals wurden 80 Masernfälle gemeldet, im Jahre 2002 stieg die Zahl dann auf 438 Fälle. Das waren über die Hälfte der niedersächsischen Masernfälle(51,3 %) und das nur im Landkreis Leer. Von Leer aus verbreiteten sich die Masern rasant nach Norden in die Stadt Emden und den LK Aurich, sowie nach Süden in die Landkreise Cloppenburg und Emsland.
Was war der Grund: Im Landkreis Leer war die Durchimpfungsquote auf unter 60 % gesunken, das bedeutete, dass fast die Hälfte der Kinder keinen Impfschutz hatten. Eine Epidemie ist nur bei einer Durchimpfungsquote von 95 % auszuschließen. Davon ist der Landkreis Leer immer noch entfernt, doch die Impfungen sind stark ansteigend. Das ist auch mehr als notwendig, um die Bedrohung auf die Kindergesundheit zu dezimieren.
Anrede
Die grüne Fraktion hält daher die Punkte im Antrag für richtig, die darauf beruhen, neben dem Impfstatus auch Rahmendaten zu erheben, um eine vollständige Übersicht zu haben.
Ebenso ist es sinnvoll, nicht nachzulassen in dem Bestreben, möglichst intensive Aufklärungsarbeit unter Einbeziehung des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der Kinderärzte und Ärztinnen zu betreiben.
Aufklärung über Masern, Krankheitsverlauf und mögliche bleibende Schäden sind dabei genau so wichtig, wie die Notwendigkeit der Zweitimpfung darzustellen. Notwendig ist es aber auch, über die evtl. Folgen von Impfschäden zu informieren, denn hier gibt es viele Geschichten, die Eltern Angst machen.
Sehr eigenartig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis in der Antragsbegründung auf „ideologische Vorbehalte der Eltern bei Kindern in Gemeinschaftseinrichtungen“. Sind damit Wohngemeinschaften aus der Zeit der „Kommune 1“ gemeint, geht es hier um Asylbewerber im Gemeinschaftslager Bramsche oder meinen sie, wie es der rechtzeitig von Professor Windorfer lancierte Zeitungsartikel gestern in der Hannoverschen Allgemeinen suggeriert, die freien Waldorfschulen?
Das ist schlechter Stil, muss man dem Präsidenten des Landesgesundheitsamtes zurufen. Es ist seit langem bekannt, dass es in der Anthroposophie Vorbehalte grundsätzlicher Art gegen Impfungen jeder Art gibt, diese Einstellung sollte respektiert werden. Ich habe bisher nicht gehört, dass Kinder aus Waldorfschulen kränker sind als andere Kinder.
Über Form und Inhalt der Aufklärung, der sogenannten Motivationsstrategie (gegenüber Ärzten und ÖGD), auch im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen müssen wir uns gemeinsam Gedanken machen. Allerdings ist dies vorrangig Aufgabe der Selbstverwaltung und ich erwarte von der Landesregierung, dass sie diese auch in die Pflicht nehmen.
Anrede
Doch beim Punkt 3 a) in ihrem Antrag habe ich fast lachen müssen, wenn es nicht so traurig wäre. Hier fordern die Regierungsfraktionen die eigene Landesregierung auf ein Konzept zu entwickeln, das sicherstellt, dass möglichst flächendeckend die Kindergärten mit einbezogen werden.
Anrede
Das hätten sie doch im März bei der Beschlussfassung des Gesetzes zum Öffentlichen Gesundheitsdienst ganz einfach haben können, wenn sie unserem Änderungsantrag zugestimmt hätten. Da haben sie die Chance vertan, ein zukunftsweisendes, präventiv wirkendes Gesundheitsdienstgesetz zu verabschieden.
Und hier und heute fordern sie ein Konzept, wie man präventiv die Kindergesundheit und möglichst alle Kindergartenkinder fördern kann.
Wieder ein Beispiel für Stückwerk der schwarz-gelben Regierung, anstatt im ÖGD konkret festzuschreiben, dass sie verpflichtende Schuleingangsuntersuchungen wollen und die Teilnahme von Kita-Kindern an ärztlichen Untersuchungen fest geschrieben wird, bleibt alles im luftleeren Raum und jetzt wird geflickschustert und nach Wegen gesucht, wie man möglich viele Kinder und Eltern erreicht.
Anrede
Sorgen machen mir in ihrem Antrag aber Formulierungen wie die unter Punkt 3. b), die sagt, das auch Kinder in sozialen Brennpunkten erfasst und geimpft werden sollen.
Bedeutet diese Formulierung etwa, dass sie darüber nachdenken, die Zwangsimpfung, insbesondere für Kinder in sozialen Brennpunkten wieder ein zu führen? Dann kann ich ihnen schon heute sagen, nicht mit uns. Die Freiwilligkeit steht bei der gesundheitlichen Prävention an erster Stelle. Und das soll auch so bleiben!