Leckstelle im Treibstofflager auf Blexener Kavernengelände – jetzt auch undichte Leitungen beim Betrieb von Kavernenlagerstätten in Niedersachsen

Am 21. März 2012 berichtete die Nordwestzeitung im Lokalteil unter Nordenham über eine unterirdische Leckstelle an einer Rohrleitung im Treibstofflager auf dem Kavernengelände der Wintershall Holding GmbH in Nordenham-Blexen. Nach Angaben des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), das umgehend über den Vorfall informiert worden war, sei durch die Undichtigkeit lediglich eine "sehr begrenzte, lokale Verunreinigung des Bodens" aufgetreten, heißt es in der o. a. Pressemeldung. Erste Bodenproben hatten eine Verunreinigung mit Kohlenwasserstoffen ergeben. Ein Gutachter soll nun den genauen Schadensumfang feststellen. Danach werde das Unternehmen die erforderlichen Sanierungen in Absprache mit den Behörden vornehmen lassen. Der Betrieb der Blexener Kavernen unterliegt der Fachaufsicht des LBEG. Laut NWZ werden dort Benzin und Rohöl als nationale Notreserve für die Bundesrepublik Deutschland gespeichert. Laut Jahresbericht "Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland" des LBEG mit Stand 31. 12. 2010 werden in Blexen acht Kavernenspeicher betrieben (4 Rohöl/ 3 Benzin/ 1 Heizöl). Als Betreiber am Standort Blexen wird eine "Unter-Tage-Speicher-Gesellschaft mbH (USG)" angegeben.

An insgesamt zwölf Standorten in Deutschland - die meisten davon in Niedersachsen - werden Speicheranlagen, fast ausschließlich Kavernen, für die Lagerung von Rohöl oder Rohölprodukten und in geringen Umfang Flüssiggas (nicht Erdgas) betrieben. Allein die Bestände des Erdölbevorratungsverbandes (EBV) betrugen zum 31. März 2010 25,5 Mio Tonnen. Der Standort in Wilhelmshaven-Rüstringen mit bisher 36 Kavernen soll erweitert werden; bis 2018 sollen dort zunächst vier weitere Kavernen mit einem Volumen von insgesamt 3,8 Mio Kubikmetern ausgesohlt werden.

Zudem steht Deutschland mit einem Speichervolumen von über 20 Milliarden Kubikmetern Speichervolumen für Erdgas, überwiegend in Kavernenspeichern, hinter den USA, Russland und der Ukraine weltweit an vierter Stelle der Speichernationen. Über die Hälfte dieses Speicherraums in Deutschland wird in Kavernen in Niedersachsen vorgehalten. Nicht nur bei Wilhelmshaven, sondern auch bei Etzel, Jemgum, Nüttermoor, an der Krummhörn oder bei Empelde in der Region Hannover sind weitere Kavernenspeicher im Bau. Vor diesem Hintergrund stehen niedersächsischen Aufsichtsbehörden wie das LBEG in besonderem Masse in der Pflicht, den sicheren Betrieb dieser Speicheranlagen zu gewährleisten.

Wir fragen die Landesregierung:

  1. Welche Erkenntnisse liegen der Landesregierung über das Ausmaß von Boden- und Grundwasserverunreinigungen durch die Leckage im Leitungssystem der Kavernenanlage auf dem Blexener Kavernengelände vor?

  2. Kann die Landesregierung ausschließen, dass es durch diese Havarie zu einer Beeinträchtigung von Luft, Wasser und Böden in der näheren und weiteren Umgebung des Kavernenbetriebsgeländes gekommen ist oder Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung oder Einschränkungen für bestimmte Nutzungen daraus entstehen können?

  3. Kann die Landesregierung ausschließen, dass weitere Leckagen von Leitungsrohren oder an Betriebsanlagen etwa durch die Verwendung von ungeeigneten oder nicht zulässigen oder überalterten Materialien bei Leitungen und Anlagen auftreten können?

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