Statement Grüne kritisieren aktuelle Missstände bei Unterbringung und Corona-Schutz für Arbeitskräfte in der Ernte und in Schlachtbetrieben – Behörden gefordert

Die niedersächsische Landwirtschaft und Schlachtindustrie sind auf die Mitarbeit von geschulten Hilfskräften und Mitarbeitenden insbesondere auch aus Osteuropa angewiesen. Ihre Arbeitsbedingungen waren bereits in der Vergangenheit häufig Anlass zu Kritik. Aktuell gibt es zahlreiche Hinweise, dass die zusätzlichen Schutzvorgaben gegen die Corona-Pandemie häufig kaum oder gar nicht befolgt werden und kaum kontrolliert wird. Auch mehrere Medienberichte bestätigen dies. Die Grünen im Landtag fordern, dass alle zuständigen Behörden und die Landesregierung die Gesundheit und das Wohlergehen dieser Menschen sicherstellen.

Meta Janssen-Kucz, gesundheitspolitische Sprecherin:

„Es ist erschreckend, wie in einzelnen Betrieben in Niedersachsen mit den Menschen umgegangen wird, die wir als Saisonarbeitskräfte trotz der Corona-Pandemie zu uns geholt haben. Die auf Bundes- und Landesebene festgelegten Hygiene und Gesundheitsstandards werden mit Füßen getreten. Es gibt viele Hinweise und Klagen von Betroffenen, dass trotz der Gefahr von Corona-Infektionen keine Einzel- oder Doppelzimmer zur Verfügung stehen. Auf engsten Raum müssen 4 Saisonarbeitskräfte leben.

Der Transport zu den Spargelfeldern oder den Schlachthöfen findet zum Teil in Fahrzeugen statt, die keine Chance für das Einhalten der Abstandsregeln zulassen. Der Transport findet ohne Schutzmasken in überfüllten Bussen und Anhängern statt. Dafür dürfen die Saisonkräfte täglich 12-14 Stunden auch an den Osterfeiertagen im Akkord arbeiten. Dieser teilweise menschenunwürdige Umgang mit Arbeitskräften, die die niedersächsische Landwirtschaft in der Corona-Krise bei der Ernte unterstützen, muss sofort beendet werden.

Bundes- und Landesregierung sind aufgefordert, schnell umfangreiche effektive Kontrollen im Sinne des Gesundheits- und Infektionsschutzes sicherzustellen, um die Menschen zu schützen. Zoll, Gewerbeaufsichtsämter und Gesundheitsämter müssen sofort kontrollieren und für die Einhaltung der hygienischen Standards sorgen. Es kann nicht sein, dass alle Behörden inklusive der Ministerien entweder auf die jeweils anderen Behörden verweisen, sich für nicht zuständig erklären oder behauptet, es sei alles geregelt.

Für die Unterbringung der Arbeitskräfte stehen in allen Regionen genügend freie Kapazitäten in Hotels und Beherbergungsbetrieben zur Verfügung, die eine die Missstände schnell beheben könnten. Ebenso stehen ausreichende Transportmöglichkeiten zur Verfügung, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Allen Arbeitskräften in der Ernte oder in Schlachtbetrieben muss ausreichend Schutzmittel wie Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden. Ansonsten muss ein im Notfall tatsächlich Betrieb geschlossen werden. Denn der Schutz von Gesundheit und Wohlergehen muss auch in Corona Zeiten unantastbar bleiben.“

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