Gemeinsamer Brief der ostfriesischen Abgeordneten des Europäischen Parlaments, des Deutschen Bundestags und des Niedersächsischen Landtags

Die Abgeordneten des Europa-, Bundes- und des Landtages haben einen gemeinsamen Brief an die Zeitungsgruppe Ostfriesland ZGO verfasst. Die Grüne Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz, Leer: "Die geplanten strukturellen Veränderungen, die verbunden sind mit massiver Einsparung von Personal, vor allem von leitenden Redakteuren, innerhalb der Zeitungsgruppe Ostfriesland ZGO, gefährden die Vielfalt und die Qualität in der Berichterstattung in der Zeitungsland Ostfrieslands."

Brüssel/Berlin/Hannover, den 2. März 2012

Gemeinsamer Brief der ostfriesischen Abgeordneten des Europäischen Parlaments, des Deutschen Bundestags und des Niedersächsischen Landtags

Sehr geehrte Herren Verleger der Zeitungsgruppe Ostfriesland, es ist vermutlich das erste Mal, dass sich Bundes- und Landtagsabgeordnete aus ostfriesischen Wahlkreisen gemeinsam in einem Brief an die Verleger eines Zeitungsverlages wenden. Das zeigt Ihnen, wie ernst wir Informationen über zahlreiche bevorstehende Entlassungen im redaktionellen Bereich der ZGO einschätzen.

Wir haben regelmäßig mit strukturellen Veränderungen in Unternehmen zu tun, meistens, um etwas zu retten, was längst unrettbar im Brunnen liegt. Doch wie es aussieht, stellt sich die Lage in Ihrem Unternehmen völlig anders dar. Jedenfalls erscheinen die Entlassungspläne in einem diffusen Licht. Wir würden sie gern klarer sehen.

Die Zeitungslandschaft in Ostfriesland hebt sich seit Jahrzehnten wohltuend durch ihre Vielfalt von der Situation in vielen anderen Regionen Deutschlands ab. Die Gründung der ZGO hat diese Vielfalt in einer Zeit stabilisiert, in der die neuen Medien, vor allem die Sozialen Netzwerke im Internet, eine immer größere Rolle spielen und in der die Anzeigenmärkte größerem Wettbewerb ausgesetzt sind. Uns ist bewusst, dass die wirtschaftliche Stärke Ihres Unternehmens hierfür eine wesentliche Voraussetzung ist.

Verleger nehmen bekanntlich zwei Aufgaben wahr: Sie sind Unternehmer, und zugleich sind sie einer sehr hohen demokratischen, grundgesetzlich verankerten Aufgabe verpflichtet. Die von Ihnen geplanten Entlassungen deuten jedoch darauf hin, dass Sie diese Aufgabe in Ostfriesland künftig nur noch eingeschränkt erfüllen können. Denn eine starke Verringerung des redaktionellen Personals und die Trennung insbesondere von sehr erfahrenen Journalisten Ihrer Zeitungsgruppe werden fast zwangsläufig zu einer schlechteren journalistischen Qualität führen. Als gewählte Volksvertreter sind wir über diese  Entwicklung besorgt und wollen sie nicht ohne energischen Widerspruch hinnehmen.

Wir meinen, dass die Bevölkerung einen Anspruch auf völlige Transparenz IhrerEntscheidungen hat. Das gebietet Ihr öffentlicher Auftrag. Wir werden seit Wochen von zahlreichen Ihrer Leser und Anzeigenkunden auf die Vorgänge in der ZGO angesprochen. Es herrscht beträchtliche Unruhe und Sorge, was aus „unserer Zeitung“ wird. Wir bitten Sie deshalb eindringlich um Offenheit und Klarheit, damit die Vorgänge entsprechend diskutiert werden können. Gern würden wir darüber zunächst persönlich mit Ihnen reden.

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