Kleine Anfrage Darf die Stadt Emden Feuchtwiesen von landesweiter Bedeutung als Gewerbe- und Baugebiet in Anspruch nehmen?

Die Stadt Emden verfügt über mehrere Flächen, die gemäß Stadtentwicklungskonzept für Gewerbe- und Wohnflächen entwickelt werden können. Gegen das „Mega-Baugebiet“ Conrebbersweg kämpfe ungebrochen eine große Bürgerinitiative, berichtet beispielsweise die Ostfriesenzeitung am 09.08.2019.

Aus dem aktuellen Entwurf des Landschaftsrahmenplans (LRP) der Stadt Emden ist eine herausragende naturschutzfachliche Bedeutung von Conrebbersweg-West (Bereich A9 des LRP) zu entnehmen. Der LRP-Entwurf qualifiziert das Gebiet als insgesamt für den Naturschutz von landesweiter Bedeutung. Es handelt sich um das letzte zusammenhängende Gebiet dieser Größe in Emden mit Nasswiesen (geschützte Biotope nach § 30 BNatSchG) und mesophilem Grünland (geschützter Landschaftsbestandteil nach § 29 BNatSchG in Verbindung mit § 24 NAGBNatSchG).

Das Gebiet, welches für das Wohn- und Gewerbegebiet in Anspruch genommen werden soll (nachfolgend als „Conrebbersweg-West“ bezeichnet), wird von der A 31 im Westen und Norden umschlossen, grenzt im Osten an die bestehende Wohnbebauung von Conrebbersweg und wird im Süden vom Larrelter Tief begrenzt. Im Südwesten dieses Gebietes beginnt das Landschaftsschutzgebiet „Schlafdeich Constantia“, das sich südlich des Larrelter Tiefs weiter fortsetzt und in Richtung Westen erstreckt.

Im Nordwesten jenseits der A 31 in unweiter Entfernung von Conrebbersweg-West liegt das EU-Vogelschutzgebiet V04 Krummhörn, das Projektgebiet des LIFE+-Natur-Projektes „Wiesenvögel“ ist.

Direkt nördlich von Conrebbersweg-West jenseits der A 31 soll ein interkommunales Industriegebiet mit den Gemeinden Hinte und Krummhörn errichtet werden, dessen Grenze in etwa parallel zur Grenze des Vogelschutzgebietes (Entfernung etwa 300 m) verläuft.

Gemäß dem LRP besteht das Gebiet fast flächendeckend aus besonders schützenswerten Biotopen. Im LRP wird der Bereich als „wertvollstes Grünlandgebiet der Stadt“ bewertet.

Über die Fauna schreibt beispielsweise der LPR:
„In den meisten Landschaftseinheiten ist trotz des eklatanten Rückgangs der Wiesenvögel die [nationale] Bedeutung gleichgeblieben, da der Rückgang durch die jeweiligen Höherstufungen in der Roten Liste kompensiert wird.“ Conrebbersweg verfüge über ein hohes Aufkommen an Fröschen, Libellen und Fledermäusen (siehe S. 330 ff.) Auch der Neunstachlige Stichling und das seltene Moderlieschen kämen vor. Reitemeyer & Birnbacher (2015) untersuchten systematisch die Gräben im Grünlandgebiet Conrebbersweg und fanden unterschiedlichste Fischarten wie auch das seltene Moderlieschen.

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