Grußwort „European Medical School – Was bringt die Zukunft?“ Grußwort beim Parlamentarischen Abend der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

© Oliver Vosshage/Universität Oldenburg

„European Medical School – Was bringt die Zukunft?“   (Es gilt das gesprochene Wort)

Anrede,

Für Ihre freundliche Einladung zu dem Parlamentarischen Abend der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg danke ich Ihnen – auch im Namen des Niedersächsischen Landtages – herzlich. Ich freue mich, Ihnen an dieser Stelle die besten Grüße und Wünsche von Frau Landtagspräsidentin Dr. Andretta und der Damen und Herren Abgeordneten übermitteln zu können.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

vor nunmehr acht Jahren – 2012 – wurde an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg ihre sechste Fakultät „Medizin und Gesundheitswissenschaften“ gemeinsam mit der European Medical School Oldenburg-Groningen (EMS) gegründet. Die Fakultät konnte im Wintersemester 2012/2013 mit 40 Studierenden ihren Studienbetrieb aufnehmen und ist seitdem neben der Medizinischen Hochschule Hannover und der Universitätsmedizin Göttingen der dritte universitätsmedizinische Standort in Niedersachsen.

Arbeiteten die Universitäten Oldenburg und Groningen seit fast vier Jahrzehnten in verschiedenen Kooperationen bereits eng zusammen, so wurde mit der Einrichtung des grenzüberschreitenden Medizinstudienganges das gemeinsame Wirken vertieft.

Ich möchte an dieser Stelle hervorheben, dass dieses Projekt/diese Zusammenarbeit in Europa einzigartig ist und neue Maßstäbe in der Medizinerausbildung gesetzt hat. Durch die beiden kooperierenden Standorte profitieren nicht nur die Studierenden in dem Austauschprogramm voneinander, sondern auch die Patientinnen und Patienten der gesamten Nordwest-Regionen.

Neben diesem wertvollen Austausch mit der Universitätsmedizin Groningen ist das Studium an der European Medical School durch problemorientiertes Lernen, starke Forschungsbezüge und nicht zuletzt durch berufsbezogene Kommunikationsschulungen und Praxisausrichtung charakterisiert.

Ein wichtiger Baustein ist dabei sicherlich die über die Jahre bewährte Kooperation der Carl von Ossietzky Universität mit den insgesamt vier Krankenhäusern der Stadt Oldenburg – dem Klinikum Oldenburg, dem Pius-Hospital, dem Evangelischen Krankenhaus und der Karl Jaspers Klinik.

Diesen Häusern sei an dieser Stelle für ihre Kooperationsbereitschaft und ihre Offenheit für die jungen angehenden Medizinerinnen und Mediziner gedankt. Sie geben mit ihrer Belegschaft den zukünftigen Ärztinnen und Ärzten praxisorientiertes Wissen und ein hohes Maß an Erfahrung für die spätere Ausübung dieses verantwortungs- und anspruchsvollen Berufes mit, der für die meisten ja nicht nur Beruf, sondern Berufung ist.

Geprägt ist das Studium auch – und das möchte ich nicht unerwähnt lassen – durch eine dankenswerterweise enge Zusammenarbeit mit Lehrarztpraxen/zum großen Teil die vielbeschworenen Landarztpraxen in der gesamten Region und einer frühen Integration von allgemeinmedizinischen Aspekten in das Curriculum. Ziel ist es dabei, dem gerade im ländlich bestimmten Nordwesten des Landes Niedersachsen drohenden Ärztemangel entgegenzuwirken.

 

Anrede, 

Wir alle wissen, dass die ärztliche Versorgung zwischen Stadt und Land unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Sind Städte oft gut versorgt, so fehlen im ländlichen Bereich immer mehr Ärztinnen und Ärzte. Uns Politikerinnen und Politikern ist dieses Problem bewusst und es ist und war einer der Hauptanliegen mit der Enquete zur Verbesserung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung im Flächenland Niedersachsen.

Unsere Aufgabe ist es hier gegenzusteuern und die Anzahl der jetzigen Medizinstudienplätze zu umgehend zu erhöhen und weitere Studienplätze aufzubauen. Die Corona Pandemie führt uns deutlich vor Augen, wie wichtig Sicherung und Ausbau aller medizinischen Hochschulstandorte in Niedersachsen für eine gute medizinische Versorgung ist.

So wurden die Plätze für Studienanfänger an der European Medical School mittlerweile aufgestockt, sodass aktuell 80 Studierende pro Studienjahr in Oldenburg zugelassen werden können. Im Zuge der Aufstockung gab es auch eine Erhöhung des akademischen Personals von 1,5 auf 2,0 VK für wissenschaftliche Mitarbeiter*innen. Unverändert blieb es bei einer  W 3 Professur Allgemeinmedizin.

Mir ist wichtig hier noch einmal deutlich zu betonen, dass es nicht nur auf die reine Zahl an Medizinstudienplätzen ankommt, sondern darauf, dass die Student*innen eine umfassende und hochwertige allgemeinmedizinische Ausbildung bekommen, denn das ist der Grundstein für eine spätere Tätigkeit als Hausarzt*in.

 

Anrede,

Im Jahr 2018 wurde die Universitätsmedizin Oldenburg durch den Wissenschaftsrat, dem wichtigsten Beratungsgremium von Bund und Ländern, evaluiert. Wie in seinem Bericht vom Juli des vergangenen Jahres deutlich wird, bewertet der Wissenschaftsrat den Modellstudiengang der European Medical School Oldenburg-Groningen als „beeindruckendes Studienangebot", das „überzeugend umgesetzt“ sei. Insbesondere wird die grenzübergreifende Ausbildung der Studierenden mit einem innovativen Curriculum gelobt, gleichzeitig u.a. aber auch eine Weiterentwicklung der Governance-Struktur und eine grundlegende infrastrukturelle Ausstattung mit Forschungs- und Laborflächen eingefordert.

 

Meta Janssen-Kucz

Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtages

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