Kleine Anfrage Tausende tote Fische in Folge der Ems-Ausbaggerungen für die Überführung der „Encore“: Wurden die Auflagen nicht eingehalten?

„In Ansehung der hohen Bedeutung der Emsregion als Natur-, Wirtschafts-, und Lebensraum nehmen die Vertragsparteien ihre Verantwortung für diese Region gemeinsam wahr mit dem Ziel, die als gleichwertig anerkannten ökologischen und ökonomischen Interessen in Einklang zu bringen“ (Präambel Masterplan Ems).

In der Nacht vom 30.09. auf den 01.10.2019 fand die Überführung des Luxusliners „Encore“ der Meyer-Werft von Papenburg über die Ems, über Leer, das Emssperrwerk Gandersum nach Eemshaven (NL) statt. Im Vorfeld fanden sogenannte Bedarfsbaggerungen zum Erhalt der Fahrrinnentiefe für die Schiffsüberführungen in der Ems statt. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Emden verfügt über eine Genehmigung, das Baggergut in mehrere Gewässer (Kiesbaggerseen) in der Gemeinde Moormerland einzuspülen.

In einem Baggersee in der Gemeinde Moormerland ist es durch den Schlickeintrag Mitte September binnen weniger Tage zu einem Fischsterben gekommen. Fischkadaver mit einem Gesamtgewicht von geschätzt etwa 1,5 t wurden geborgen (Berichte in der Ostfriesen-Zeitung vom 21., 23. und 24.09.2019).

„Allerdings hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt dem See auch länger Ems-Schlick zugeführt, als es das Gewässerkonzept vorsehe. Normalerweise werde der Schlick zwei Mal im Jahr eingespült, jeweils über vier bis sechs Wochen hinweg. Dazwischen gebe es ‚eine lange Pause‘. Aber: ‚Die fehlte in diesem Jahr.‘ Aufgrund von Schiffsüberführungen habe in der Fahrrinne des Flusses mehr gebaggert werden müssen, berichtet das Amt“, berichtete die Ostfriesen-Zeitung am 23.09.2019¹ .

Die Erklärungen des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Emden gegenüber der Presse waren zunächst widersprüchlich. Der Amtsleiter zeigte sich erstaunt über den großen Fischbestand im betroffenen Gewässer (Ostfriesen-Zeitung 28.09.2019). Über die Dauer der stattgefundenen Schlickeinleitung konnte er anfangs keine Angaben machen. Die zuständigen Naturschutzbehörden wurden nicht informiert:

„Dass Fische mit einem Gesamtgewicht von 1,5 t in einem Spülsee bei Neermoor erstickt sind, hat die Untere Naturschutzbehörde nur aus der Zeitung erfahren. Laut Kreisverwaltung wurde das massenhafte Fischsterben nicht angezeigt.Dabei muss laut Landkreis Leer, bei dem die Untere Wasserbehörde angesiedelt ist, ‚der Sauerstoff-
Grenzwert von mehr als vier Milligramm pro Liter‘ eingehalten werden. Am Freitag vor dem Fischsterben am Montag, 16. September, wurde der Sauerstoffgehalt nach einer neuen, das heißt geänderten Mitteilung des WSA gar nicht gemessen. Am Donnerstag habe er noch bei 4,62 gelegen. Auf dem mutmaßlichen Höhepunkt des Dramas sollen - anders als bisher dargestellt - nicht weniger als ein Milligramm, sondern 1,46 und 1,05 mg Sauerstoff im Wasser gewesen sein. Diesen Sauerstoffmangel bewertet der Fischerei-Biologe Thomas Klefoth vom Anglerverband Niedersachsen - in Verbindung mit den Feinsedimenten und dem Salzeintrag aus der Ems - als tödlich für die Süßwasserfische.

Nach WSA-Angaben sind Tiere mit einem Gesamtgewicht von 1,5 t gerettet und ebenso viele tot entsorgt worden. Davon weiß die Untere Wasserbehörde offenbar nur aus der Ostfriesen-Zeitung. Die Kreisverwaltung wirft dem WSA ‚Versäumnisse‘ vor und verweist auf eine Bestimmung, die beim ‚aktuellen Störfall‘ greife: Das WSA müssen den Landkreis über ‚Auffälligkeiten‘ beim Einspülen von Schlick, wie ‚Nachteile für die Natur‘, unterrichten - und zwar ‚unverzüglich‘. (…) Der Landkreis prüft den Störfall - weitere Informationen seien vom WSA angefordert. Solange sie nicht vorlägen, lasse sich zu möglichen Konsequenzen für das WSA noch nichts sagen“, berichtete die Ostfriesen-Zeitung am 29.09.2019².

 ¹ https://www.oz-online.de/-news/artikel/684072/Neermoor-Das-grosse-Fischsterben-ist-vorbei

² https://www.oz-online.de/-news/artikel/686679/Kreis-Fisch-Massensterben-wurde-nicht-angezeigt

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